DIE AKTUELLE LAGE

EMR Februar 2026

Liebe Leserin, lieber Leser

ZINSEN & AKTIENINDIZES?

Kaum ein Tag vergeht ohne einen Kommentar – oder gar ohne die Aufforderung verantwortlicher Politiker –, die Zinsen weiter zu senken, um den Verlauf von Inflation und Aktienindizes zu steuern. Seit Kurzem kommt ein weiterer Einflussfaktor hinzu: die wiederholten Forderungen von Politikern und in jüngster Zeit, insbesondere jene des amtierenden US-Präsidenten.

Wie bekannt, sind wir von diesem Ansatz nicht vollständig überzeugt. Klare Hinweise liefern die folgenden Grafiken, welche die indexierten Renditen 10-jähriger Staatsanleihen sowie ausgewählter bedeutender Aktienindizes in ihren jeweiligen Währungen für den Zeitraum seit dem 3. Januar 2022 darstellen.

ÜBERRASCHENDE ERKENNTNISSE AUS DEN GRAFIKEN

  • Die in den Grafiken dargestellten Entwicklungen unterscheiden sich auffallend voneinander. Wer von uns hätte einen derart starken Anstieg der japanischen Renditen vorhergesagt – insbesondere im Vergleich zum gegenteiligen Trend in Deutschland und, in gewissem Maße, in der Schweiz?
  • Die Daten zeigen klar, dass sich Staatsanleiherenditen von Land zu Land stark unterscheiden und daher einer spezifischen Betrachtung bedürfen. Die Dynamik der US-Renditen ist im Vergleich etwa zur Entwicklung der britischen Zinsen überraschend. Die japanischen Renditen weisen einen gewaltigen Anstieg auf, während das US-Pendant genau in die entgegengesetzte Richtung tendiert.
  • An diesem Wendepunkt glauben wir, dass es neben den Inflationsängsten auch unterschiedliche Marktentwicklungen gibt. Anders ausgedrückt: Wir gehen davon aus, dass es weitere Faktoren gibt, auf die die Zinssätze reagieren, die aber in der Presse nicht thematisiert werden. Gibt es Hinweise darauf, warum dies so ist? Wir sind überzeugt, dass das Verhalten von Konsumenten und Investoren ein wichtiges Argument für eine Politik gegen die Inflation darstellt.
  • Die Aktienindizes entwickeln sich hingegen – zumindest hinsichtlich der Trends – relativ ähnlich. Die Performance im Detail zeigt jedoch deutliche Unterschiede.
  • Neben der Geldpolitik beeinflussen weitere Faktoren die Aktienmärkte. Seit Anfang 2023 berücksichtigen wir zunehmend den wachsenden Autoritarismus und die daraus resultierende geopolitische Instabilität.

ANNAHMEN FÜR DIE ANLAGESTRATEGIE

Eine eindeutige Gesamtbeurteilung ist schwierig, insbesondere aufgrund:

  • einer eher schwachen politischen Führung in westlichen Staaten;
  • beunruhigender politischer Entwicklungen mit wirtschaftlichen Folgen, einer stärkeren Fokussierung auf den Heimmarkt unter Berücksichtigung der Währungsperspektiven.
  • Als Schweizer Investoren sind wir überdurchschnittlich stark in der Heimatwährung und im Schweizer Aktienmarkt engagiert, moderat in Europa positioniert und leicht untergewichtet in US-Aktien sowie im US-Dollar.
  • Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Fiskalpolitik des US-Präsidenten. Viele Maßnahmen widersprechen klassischen Marktmechanismen. Ihre Auswirkungen auf den Konsum – in den USA wie auch in exportabhängigen Ländern – lassen sich derzeit nur schwer abschätzen. Die zentrale Frage bleibt, wann eine politische Kurskorrektur erfolgt.

KURZFRISTIGE ERWARTUNGEN

Als wesentlichen kurzfristigen Einflussfaktor betrachten wir die US-Zölle, die faktisch einer Steuererhöhung gleichkommen. Der Konsum war zuletzt der Haupttreiber des Wirtschaftswachstums – nicht nur in den USA.

Die Handelspolitik führt zudem zu einer Reduktion des Angebots an Gütern und Dienstleistungen, was inflationäre Effekte begünstigt. Historische Vergleiche unterstreichen die Tragweite dieser Politik.

Wir erwarten erhebliche weltweite Auswirkungen und befürchten eine Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität, insbesondere durch sinkenden Konsum und geringere Investitionen.

SUMMA SUMMARUM

Die kommenden Quartale deuten auf eine geringere wirtschaftliche Dynamik hin – zunächst in den USA, später auch global. Für Investoren spricht dies für einen ausgeprägten HOME BIAS bei Aktien und Währungen.

Der überzeugendste Ansatz bleibt die DIVERSIFIKATION, die derzeit als einziges echtes „Free Lunch“ auf lokaler wie internationaler Ebene erscheint.

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