AUSBLICK 2026

EMR Januar 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser

AKTUELLES UMFELD

Die Beurteilung des aktuellen Umfelds ist eine komplexe Aufgabe, da es unterschiedliche, teils konkurrierende Einflussfaktoren gibt, wie zum Beispiel:

  • Wird Russlands Krieg gegen die Ukraine bald enden?
  • Werden die Aussichten für das Wirtschaftswachstum die treibende Kraft sein, oder wird die Politik weiterhin eine führende Rolle spielen?
  • Wird der Fokus primär auf den geldpolitischen Massnahmen und Reaktionen der Zentralbanken liegen?
  • Oder wird das traditionelle ökonomische Denken zum „neuen Vorreiter“?

Fakt ist, dass uns fortlaufend vermittelt wird, die Entwicklung der Zinssätze sei entscheidend, um einen befürchteten Anstieg der Inflation einzudämmen. Auf Grundlage der verfügbaren Daten stellt sich jedoch die Frage, welche der oben genannten Annahmen tatsächlich das gültige und bestimmende Argument sein wird.

OPERATIVE ANNAHMEN

Um in die Lage versetzt zu werden, die jeweiligen Auswirkungen der oben genannten Fragestellungen zu beurteilen, bitten wir die Leserin bzw. den Leser, die Daten zu analysieren, wie sie implizit in der folgenden Grafik der Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen der Schweiz, Deutschlands, dem Vereinigten Königreich, Japan und den USA enthalten sind. Um die jüngsten Entwicklungen besser einordnen zu können, wurden die jeweiligen Renditen per 3. November 2022 auf den Indexwert 1 normiert.

Im Hinblick auf die geldpolitische Steuerung als potenziellen Investitionsleitfaden sind wir der Auffassung, dass die derzeitige Interpretation nicht als konsistenter und vielversprechender politischer Indikator im Rahmen von Prognosen betrachtet werden kann. In diesem Zusammenhang fragen wir uns, weshalb eine grosse Mehrheit der Prognostiker weiterhin den Fokus auf das Zinsmanagement legt, um die aktuelle Pattsituation zu lösen.

Die Grafik zeigt signifikante und deterministische Unterschiede zwischen den ausgewiesenen Renditen 10-jähriger Staatsanleihen. Die zentrale Frage lautet: Was zeigt diese Grafik tatsächlich? Stellt sie etwas anderes dar als das, was regelmässig in den Medien berichtet wird? Wir sind der Ansicht, dass die Grafik das Risiko verdeutlicht, das sich aus der Interpretation von Zinsänderungen ergibt, wenn – wie derzeit – Veränderungen der 10-jährigen Staatsanleihenrenditen als Leitfaden für die nahe Zukunft herangezogen werden. Dennoch laden wir die Leserin bzw. den Leser ein, die dargestellten divergierenden Entwicklungspfade zu analysieren, um deren Wachstumstendenzen und kohärente Auswirkungen besser einschätzen zu können. Dabei ergeben sich aus unserer Sicht folgende Beobachtungen:

  • Die Entwicklung der japanischen 10-Jahres-Renditen ist im Vergleich zum gegenteiligen Trend in Deutschland zweifellos erstaunlich. Welche Konsequenzen könnte diese Divergenz für Investitionen in Japan im Vergleich zu Deutschland haben?
  • Erstaunlich stabil über den dargestellten Zeitraum hinweg waren die Renditen der Schweiz und der USA. Deuten diese Entwicklungen auf eine entsprechende Reaktion auf ein anderes Umfeld hin?

Bezogen auf die geldpolitische Steuerung als vielversprechenden Investitionsleitfaden sind wir erneut der Meinung, dass die aktuelle Interpretation im derzeitigen Prognoseumfeld nicht als konsistenter und verlässlicher politischer Indikator gelten kann. In diesem Zusammenhang fragen wir uns abermals, weshalb eine grosse Mehrheit der Prognostiker weiterhin auf das Zinsmanagement fokussiert bleibt, um die aktuelle Sackgasse zu überwinden.

AUSBLICK

Angesichts des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umfelds, wie es in der oben dargestellten Grafik zum Ausdruck kommt, erscheint der Ausblick für 2026 als eine „sehr komplexe und eher schwierige Aufgabe“, nicht wahr? Nach einer gründlichen Analyse der jüngsten Entwicklungen der 10-jährigen Staatsanleihenrenditen stellen wir uns die Frage: Wird die Inflation tatsächlich der Hauptgegner von Entscheidungsträgern und/oder Investoren sein?

Sollten die Währungsbehörden weiterhin primär darauf fokussiert bleiben, die Inflation mittels Zinsmanagement zu bekämpfen, dürfte der Ausblick für die Renditen von Investitionen eher verhalten bleiben.

Warum, so mag man fragen?

In Zeiten des Krieges – der anhaltenden russischen Invasion in der Ukraine sowie ähnlich besorgniserregender Entwicklungen im Nahen Osten – stellt sich die Frage, inwiefern Zinssatzänderungen die Preise für Rohöl, insbesondere in Europa, senken können. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass zwei der grössten Volkswirtschaften Europas (Frankreich und Deutschland) sich in einer äusserst verfahrenen politischen Situation befinden, geprägt von einem gravierenden Mangel an wirtschaftlicher, sozialer und politischer Führung. Wir halten diesen Kontext für äusserst problematisch, wenn nicht gar gefährlich.

Sollten Investoren ihren Fokus jedoch weiterhin auf Sektoren wie die Technologie richten – wie es in den USA der Fall war und weiterhin sein sollte –, könnte sich der Ausblick deutlich „aufhellen“. An diesem Scheideweg lässt sich allerdings nicht vorhersagen, wie die neue US-Administration handeln wird, zumal die Möglichkeit einer „America-First“-Politik im Vordergrund steht.

ZUSAMMENFASSUNG

Trotz aller prognostischen Schwierigkeiten beim Timing bevorzugen wir als Schweizer-Franken-Investoren weiterhin unseren Heimmarkt, in erster Linie aus Effizienzgründen. Wir gehen davon aus, dass der CHF weiterhin stark nachgefragt bleiben wird. Wie aus den oben genannten Rahmenbedingungen ableitbar ist, stellt der Krieg gegen die Ukraine einen hochgradig determinierenden Faktor dar und wird dies auch bleiben – insbesondere aus Sicherheitsgründen, angesichts seiner verheerenden und zerstörerischen Bedeutung für die Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Gas und Erdöl.

Gleichzeitig spricht die internationale Diversifikation – im Einklang mit den technologischen Entwicklungen – erneut für Investitionen in den USA, trotz der befürchteten Schwäche des USD gegenüber unserer eigenen Währung. Was das EUR-Engagement betrifft, sind wir angesichts der politischen Unsicherheiten in Frankreich und Deutschland eher besorgt.

Während viele Analysten gespannt auf geldpolitische Massnahmen und Reaktionen der Zentralbanken warten, befürchten wir beispiellose Massnahmen und Reaktionen des US-Präsidenten, dessen jüngste Steuerreform bereits einen eher negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Aktivität hatte – und diesen voraussichtlich weiterhin haben wird.

Was wir im Hinterkopf behalten sollten, ist die implizite Lehre aus den jüngsten Zinstrends – wie sie in der obigen Grafik dargestellt sind. Sie verdeutlicht die Bedeutung der Entwicklungen im Export- und Importbereich, einschliesslich der Rhetorik von Herrn Trump. Eine der Lehren, die ich vor langer Zeit während meines Studiums an der Georgetown University in Washington D.C., gelernt habe, ist, wirtschaftliche Fakten gründlich zu analysieren, bevor man eine schlüssige Entscheidung trifft.

Es tut mir leid, keinen hoffnungsvolleren Ausblick zeichnen zu können. Dennoch wünsche ich uns allen Folgendes:

Möge das kommende Jahr 2026 uns allen Gesundheit, Erfolg und Wohlstand bringen!

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