{"id":4039,"date":"2021-06-24T09:12:12","date_gmt":"2021-06-24T07:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/swisschange.ch\/?p=4039"},"modified":"2021-06-24T10:18:03","modified_gmt":"2021-06-24T08:18:03","slug":"reales-bip-und-inflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/swisschange.ch\/fr\/2021\/06\/24\/reales-bip-und-inflation\/","title":{"rendered":"Reales BIP und Inflation?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">EMR Juni 2021 <\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">En Vogue<\/h2>\n\n\n\n<p>Es wird erwartet, dass die Wirtschaft wachsen wird, da die COVID-Pandemie-Ma\u00dfnahmen zunehmend gelockert werden. <br><br>Ein deutlicher Anstieg der Inflation wird bef\u00fcrchtet.<br><br>Wer wird den \u201cWiederbeleber der letzten Instanz\u201d spielen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schwieriger Vergleich von Zyklen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Argument 1<\/strong>: Wann immer die wirtschaftliche Nachfrage deutlich zunimmt, unabh\u00e4ngig davon wie gemessen wird, steigen auch die Inflationserwartungen. Zus\u00e4tzlich wird erwartet, dass parallel die Geldpolitik gestrafft wird. Folglich sollten sich die Zinsen sich erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Argument 2<\/strong>: Unterschiedliche Interpretationen erschweren Argument 1. Dies je nachdem, ob das Wachstum wegen der sich verbessernden Binnenkonjunktur oder andererseits von einer markanten Reduzierung der Importe von Waren und Dienstleistungen zustande kommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Argument 3:<\/strong> Welches sind die Folgen der fiskalischen Expansion, \u00fcber extreme Interventionen der jeweiligen Administration, z.B. in den USA?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was l\u00e4sst sich aus vergangenen Entwicklungen ableiten?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Zum realen Output:<\/strong> Die Betrachtung der zyklischen Entwicklung der f\u00fchrenden Volkswirtschaft seit 1949 ist in der Tat faszinierend. Indexiert man die jeweiligen Tiefstwerte eines jeden Zyklus auf 1, erh\u00e4lt man ein Indikator von betr\u00e4chtlicher Anf\u00e4lligkeit. Die Vergleichbarkeit l\u00e4sst aufhorchen. Nach dem zweiten Jahr jeder wirtschaftlichen Neuerholung beginnen die Diskrepanzen von Zyklus zu Zyklus immer gr\u00f6\u00dfer zu werden. Derzeit gehen wir davon aus, dass das derzeitige Wachstum im Vergleich zu den meisten fr\u00fcheren Aufschw\u00fcngen deutlich \u201cfront-lastiger\u201d sein wird. Dies ist auf den Abbau der COVID-Restriktionen sowie auf die extrem expansiven geld- und fiskalpolitischen Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wir nehmen an, dass diese Phase nicht von langer Dauer sein sollte, da die steigende Nachfrage zu einem bedeutenden Teil den Import billigerer Produkte nach sich zieht. An dieser Stelle ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die Wachstumserwartungen der einzelnen L\u00e4nder nicht synchron sein sollten, da jedes Land seine Besonderheiten hat, sowohl was die innen- als auch die aussenwirtschaftlichen Aktionen und Reaktionen angeht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Inflation:<\/strong> Betrachtet man den US-Konsumentenpreisindex (CPI) auf monatlicher Basis, aber gleichverlaufend mit dem jeweiligen Quartal des Outputs (siehe Grafik zum CPI, ausgehend vom Tiefpunkt = 1), so sind deutliche Unterschiede feststellbar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"487\" height=\"403\" src=\"https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4027\" srcset=\"https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild1.png 487w, https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild1-300x248.png 300w\" sizes=\"(max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"474\" height=\"403\" src=\"https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4031\" srcset=\"https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild2.png 474w, https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild2-300x255.png 300w\" sizes=\"(max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Zeitraum, bevor die Inflation signifikant ansteigt, ist etwas l\u00e4nger als beim realen BIP, unabh\u00e4ngig davon, dass die Daten des realen BIP viertelj\u00e4hrlich und die Inflationsdaten auf monatlicher Basis ausgewiesen sind. Die Grafik zeigt, dass die Korrelation der Zyklen von Output und Inflation nicht so eng ist, wie oft und regelm\u00e4\u00dfig in den Medien berichtet wird. Dies ist besonders bei den drei Wachstumszyklen 1975, 1970 und 1980 zu sehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Betrachtung der Grafik zur H\u00f6he der Inflation und der entsprechenden j\u00e4hrlichen prozentualen Ver\u00e4nderungen f\u00fcr die USA und die Schweiz stehen wir vor einem Dilemma der Vergleichbarkeit. Der US-CPI Index stieg von 24.01 im Januar 1949 auf 266.83 im April 2021 d.h. um 1011.3%. In derselben Periode stieg der Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise von 21.73 auf 100.58, was einem Anstieg von lediglich 362.9% entspricht. Was besagen diese Zahlen? Nun, sie weisen unmissverst\u00e4ndlich darauf hin, dass die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Unterschiede ernsthaft analysiert werden m\u00fcssen, um f\u00fcr die kommenden Trimester und Jahre sinnvolle Prognosen zu machen. Eine spezifisch neue Determinante der aktuellen Entwicklung (siehe Grafiken) ist, dass die USA ein wichtiger Roh\u00f6l-Produzent geworden ist. Ein weiterer bestimmender Faktor ist die technologische Entwicklung, die von Land zu Land voraussichtlich weiterhin sehr unterschiedlich bleiben wird. Es ist deshalb mit ungleichen Auswirkungen auf Produktion und auf Erwartungen im Allgemeinen zu rechnen. An dieser Stelle bleibt die Frage, welches die Quellen des hohen und zunehmenden Pessimismus sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum jetzigen Zeitpunkt erwarten wir eine starke Reaktion der Wirtschaft auf die geld- und fiskalpolitischen Ma\u00dfnahmen und gehen koh\u00e4renter Weise davon aus, dass die bef\u00fcrchteten Effekte noch einige Zeit f\u00fcr Unruhe sowohl bei Konsumenten als auch Produzenten sorgen werden. Der zus\u00e4tzliche Beitrag der Verbraucher sollte eher verhalten ausfallen, und zwar ausfolgenden Gr\u00fcnden: Zum einen m\u00fcssen die Reserven wieder aufgebaut werden, d.h. die Verschuldung muss deutlich reduziert werden. Zum anderen erwarten wir, dass die Konsumenten auf billigere Importe ausweichen, was die Handelsungleichgewichte z.B. im Falle der USA weiter versch\u00e4rft. Dar\u00fcber hinaus bef\u00fcrchten wir, dass die Auswirkungen auf die inl\u00e4ndische Produktion der politischen F\u00fchrung kaum die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung bieten, um die Volatilit\u00e4t und Unsicherheit der M\u00e4rkte zu beruhigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus analytischer Sicht erscheinen uns politische Umw\u00e4lzungen, die m\u00f6glicherweise zu noch gr\u00f6\u00dferer Unsicherheit f\u00fchren, h\u00f6chst problematisch. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Produzenten im Falle einer h\u00f6heren Besteuerung die Produktion nicht im Inland, sondern ins kosteng\u00fcnstigere Ausland ausweiten werden, was nicht zum Abbau der aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichte beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4035\" width=\"483\" srcset=\"https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild3.png 753w, https:\/\/swisschange.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/EMR_J_2021_Bild3-300x243.png 300w\" sizes=\"(max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zu den Zinss\u00e4tzen: <\/strong>W\u00e4hrend sich der Trend bei den Zinss\u00e4tzen der 10-j\u00e4hrigen Staatsanleihen einem Tiefpunkt n\u00e4hert, bleiben die Zinsdifferenzen bei den 3-Monats-Zinsen recht stabil. Ist dies ein notwendiger und hinreichender Hinweis daf\u00fcr, dass viele Analysten nun zu den Inflationserwartungen, als aussichtsreichste Determinante \u00fcbergegangen sind? Zu erwarten ist, dass die geld- und fiskalpolitischen Ma\u00dfnahmen die Liquidit\u00e4t im System f\u00f6rdern werden. Wir fragen uns jedoch, ob es ausreicht, sich nur auf die Angebotsseite als Erkl\u00e4rungsmotiv zu verlassen, und die Effekte auf der Nachfrageseite zu ignorieren. Das Argument impliziert, dass man das Pferd zum Brunnen f\u00fchren kann, w\u00e4hrend es offen bleibt, ob das Pferd trinken wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlussfolgerungen: <\/strong>Was die obige Analyse besagt, ist nichts anderes als die Beantwortung der Frage, ob und wie Konsumenten und Produzenten auf den Anstieg der Liquidit\u00e4t reagieren werden. Wir bezweifeln, dass die Konsumenten ihre Ausgaben massiv erh\u00f6hen werden, ohne auf die Preisentwicklung zu achten. Mit anderen Worten: Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Konsumenten preisbewusst bleiben und vor allem billigeren Importen aus dem Ausland den Vorzug geben! Damit bleibt das Wirtschaftswachstum als potenzielle Triebkraft der Inflation \u00fcbrig. Hier m\u00fcssen wir allerdings mit einer Verz\u00f6gerung rechnen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr schwer einzusch\u00e4tzen ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlussfolgerungen f\u00fcr Investoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Unsere<strong> Schlussfolgerungen<\/strong> leiten sich aus der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Anh\u00e4ufung von Staatsschulden ab. Uns ist keine vergleichbare Periode in der Vergangenheit bekannt. Deshalb f\u00e4llt es schwer, eine klare und glaubw\u00fcrdige Aussage zur k\u00fcnftigen Entwicklungen zu machen. Wir sind aber der Ansicht, dass wir es weiterhin mit einer sehr schwer quantifizierbaren Finanzlandschaft zu tun haben. Zweifellos bleibt der Finanzsektor f\u00fcr ein reibungsloses Funktionieren der Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Daher gehen wir \u2013&nbsp;quasi als Arbeitshypothese \u2013 davon aus, dass sich die Ma\u00dfnahmen vor allem \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum auf die Inflation auswirken werden. In unserem Anlageausblick konzentrieren wir uns auch auf die Ver\u00e4nderung der internationalen Handelsstr\u00f6me, da wir mit einer neuen Tatsache rechnen m\u00fcssen, n\u00e4mlich dass die USA zunehmend nicht mehr der \u201cK\u00e4ufer (d.h. Importeur) der letzten Instanz\u201d sein werden. In unserem Szenario gewinnt das Binnenwirtschaftswachstum als Indikator f\u00fcr die Entwicklung der Finanzm\u00e4rkte an Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher erwarten wir keinen so starken Anstieg der Inflation, da dieser weder im Inland noch im Ausland einfach weitergegeben werden kann. Als Folge davon sehen wir weiterhin Potenzial f\u00fcr die Aktienm\u00e4rkte im Vergleich zu Festverzinslichen und Geldmarktanlagen. Die W\u00e4hrungsabsicherung wird im Rahmen der internationalen Portfoliodiversifikation ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Anregung ist h\u00f6chst willkommen: <\/p>\n<span class=\"synved-social-container synved-social-container-share\"><a class=\"synved-social-button synved-social-button-share synved-social-size-24 synved-social-resolution-single synved-social-provider-facebook nolightbox\" data-provider=\"facebook\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Share on Facebook\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fswisschange.ch%2Ffr%2Fwp-json%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F4039%2F&#038;t=Reales%20BIP%20und%20Inflation%3F&#038;s=100&#038;p&#091;url&#093;=https%3A%2F%2Fswisschange.ch%2Ffr%2Fwp-json%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F4039%2F&#038;p&#091;images&#093;&#091;0&#093;=https%3A%2F%2Fswisschange.ch%2Fwp-content%2Fuploads%2F2021%2F06%2FEMR_J_2021_Bild1.png&#038;p&#091;title&#093;=Reales%20BIP%20und%20Inflation%3F\" style=\"font-size: 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